Entdecken Verona
- Rund 255.000 Einwohner
- Venetien
- MEZ/MESZ (UTC+1 / UTC+2)
Geschichte
Veronas Ursprünge reichen bis in die Vorgeschichte zurück: Eine erste Siedlung auf dem Hügel San Pietro entstand in der Jungsteinzeit, gefolgt von etruskischer und später gallischer Herrschaft. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt römische Kolonie und wuchs rasch zu einem der bedeutendsten Zentren Norditaliens heran: Das Straßenraster der Altstadt, das noch heute den ursprünglichen römischen Achsen folgt, trägt die Spuren dieser Zeit, ebenso wie Bauwerke wie die Arena, das Römische Theater und die Stadttore Porta Borsari und Porta Leoni.
Im späten Mittelalter wurde Verona eine freie Kommune und Schauplatz der Fehden zwischen Guelfen und Ghibellinen, die später Shakespeare zu Romeo und Julia inspirierten. 1262 begann die Herrschaft der Familie della Scala (Scaliger), die 125 Jahre andauerte und der Stadt eine Blütezeit bescherte: Unter Cangrande I. und seinen Nachfolgern entstanden Castelvecchio, die Scaligerbrücke und die eindrucksvollen Scaliger-Gräber — bis heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt zählend.
Am 24. Juni 1405 schwor Verona der Republik Venedig die Treue und leitete damit fast vier Jahrhunderte venezianischer Herrschaft ein, die Stadtbild und Architektur bis heute prägen — vom Markuslöwen auf der Piazza delle Erbe bis zu den von Michele Sanmicheli entworfenen Renaissance-Mauern. Diese lange Phase relativen Friedens endete mit dem Fall der Republik 1797, danach fiel die Stadt zunächst an Österreich und schließlich 1866 an das Königreich Italien.
Heute vereint Verona mühelos seine vielen Schichten: die römische Stadt der Arena und des Theaters, die Scaliger-Stadt der Burgen und Türme, die venezianische Stadt der Plätze und Paläste, und die jüngere Legende um Julia, die noch immer Besucher aus aller Welt auf der Suche nach der berühmtesten Liebesgeschichte der Welt anzieht.
Wusstest du schon?
- Unter einem Bekleidungsgeschäft in der Via Mazzini, einer der belebtesten Straßen der Altstadt, liegen die Reste eines römischen Hauses mit einem geometrischen Mosaik, das durch eine Glasplatte im Boden noch sichtbar ist.
- Am Arco della Costa, dem Torbogen zwischen Piazza delle Erbe und Piazza dei Signori, hängt seit dem 18. Jahrhundert ein Walknochen — niemand weiß genau, wie er dorthin gelangte, und der Legende nach fällt er dem ersten ehrlichen Passanten auf den Kopf.
- Julias berühmter Balkon stammt gar nicht aus dem Mittelalter: Er wurde erst 1936 vom Direktor der städtischen Museen aus einem Sarkophag der Scaliger-Zeit zusammengesetzt, um Shakespeares Legende eine greifbare Form zu geben.
- Das schmiedeeiserne Gitter um die Scaliger-Gräber ist in Form von Leitern gearbeitet — ein Wortspiel mit dem Namen der Familie della Scala ('von der Treppe'), die die Stadt 125 Jahre lang regierte.
- Die Ponte Pietra, die älteste Brücke der Stadt, enthält noch heute echte römische Steine: 1945 von den zurückweichenden deutschen Truppen fast völlig zerstört, wurde sie mit aus dem Flussbett geborgenen Blöcken wiederaufgebaut.
- Verona beherbergt eine der ältesten noch genutzten Bibliotheken der Welt, die Biblioteca Capitolare, die Handschriften aus der Spätantike bewahrt.
Nicht verpassen
- Arena di Verona — Ein bemerkenswert gut erhaltenes römisches Amphitheater aus der Zeit um 30 n. Chr., das jeden Sommer ein weltberühmtes Opernfestival unter freiem Himmel beherbergt.
- Julias Haus — Ein Stadthaus aus dem 13. Jahrhundert, dessen Familienname an Shakespeares Capulets erinnert und es zu einem beliebten, wenn auch legendären Wallfahrtsort für Liebende machte.
- Castelvecchio — Eine befestigte Backsteinburg aus dem 14. Jahrhundert, erbaut von Cangrande II. della Scala, heute Sitz eines bedeutenden Museums für mittelalterliche und Renaissancekunst.
Lokale Spezialitäten
- Risotto all'Amarone — Vialone-Nano-Reis, langsam gegart mit dem berühmten Rotwein Amarone und geriebenem Monte-Veronese-Käse.
- Pastissada de caval — In Rotwein mit Gewürzen langsam geschmortes Pferdefleisch, ein Rezept, das bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.
- Pearà — Eine dicke Sauce aus Brotkrumen, Brühe, Knochenmark und reichlich Pfeffer, traditionell zu gemischtem Suppenfleisch serviert.
- Gnocchi de gnoco — Das Gericht des Veroneser Karnevalsfreitags: Kartoffelgnocchi mit Butter und Salbei oder Tomatensauce.
- Pandoro — Der weiche, sternförmige Weihnachtskuchen, der aus Verona stammt und oft mit dem süßen Recioto-Wein serviert wird.
Praktische Informationen
Fortbewegung
Die Altstadt, eingebettet in eine Flussschleife der Etsch, lässt sich gut zu Fuß erkunden — die meisten Hauptsehenswürdigkeiten liegen nur wenige Minuten auseinander. Ein Großteil der Innenstadt ist verkehrsberuhigte Zone (ZTL); wer mit dem Auto anreist, sollte es außerhalb der Mauern abstellen und mit dem Stadtbus AMT (ein Einzelticket gilt 90 Minuten) oder per Leihrad weiterfahren, wobei die ersten dreißig Minuten stets kostenlos sind. Zum Castel San Pietro mit seinem Aussichtspunkt gelangt man zu Fuß von der Ponte Pietra aus oder mit der Standseilbahn.
Beste Reisezeit
September und Oktober bieten das angenehmste Klima, mit sonnigen Tagen und weniger Andrang als im Sommer. Von Juni bis September verwandelt das berühmte Opernfestival die Arena in die größte Freiluft-Opernbühne der Welt und erfüllt die Stadt mit einer einzigartigen Atmosphäre, wobei Juli und August heiß und schwül werden können. Das späte Frühjahr, Ende April bis Anfang Juni, eignet sich ideal für mildes Wetter und blühenden Blauregen entlang der mittelalterlichen Gassen.
Gut zu wissen
- Viele Museen schließen an einem Tag in der Woche, oft montagvormittags — vor der Planung immer die aktuellen Öffnungszeiten prüfen.
- Während des Opernfestivals (Juni–September) sollte man Unterkunft und Arena-Tickets frühzeitig buchen, da die Stadt schnell ausgebucht ist.
- Fast die gesamte Altstadt ist verkehrsberuhigte Zone (ZTL): Wer mit dem Auto kommt, sollte auf einem bewachten Parkplatz außerhalb der Mauern parken und zu Fuß oder mit dem Bus weiterfahren.
- Traditionelle Restaurants halten meist feste Mittags- und Abendzeiten und schließen nachmittags — besonders am Wochenende empfiehlt sich eine Reservierung.